Die Geschichte der Kaffebohne


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10.08.2016 17:09
Exotische Inseln und Gegenden wie Madagaskar, die Inseln Mauritius und Reunion oder der afrikanische Urwald am Äquator sind sicherlich hochinteressante Fernreiseziele. Sie sind aber auch die Ursprungsländer für einen Strauch, ohne dessen Samen heute viele Österreicher den harten Alltag nur schwer durchstehen könnten. Es ist natürlich von der Kaffeepflanze die Rede, lateinisch Coffea. Sie gehört zu den Rötegewächsen und aktuell sind 124 Arten bekannt. Aktuell deshalb, weil immer neue Kaffeegewächse entdeckt werden. Selbst im noch jungen 21. Jahrhundert.

Kaffeebohnen
© naito8 (Fotolia)

Woher kommt Kaffee?



Über die Verbreitung der Kaffeepflanze, vor ihrer Einführung in Europa, ist wenig bekannt. Vermutlich wurde sie im äthiopischen Hochland erstmalig kultiviert oder sie fand von dort als Kulturpflanze ihren Weg auf die arabische Halbinsel und weiter in den gesamten Nahen Osten. Wer nun auf die Idee kam, den Samen des Kaffeestrauchs zu trocknen, zu rösten und letztlich daraus Kaffe zu brühen, bleibt im Dunkel der Geschichte. Es ist anzunehmen, das der Zufall behilflich war, vielleicht als ein afrikanischer Bauer zufällig ein paar Kaffeebohnen in ein Lagerfeuer fallen lies und der Duft des Kaffees aufstieg. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Bohne gekocht wurde und das Aroma die Köchin dazu verleitete, etwas anderes zu probieren. Tee, aus Blättern gebrüht, war zu dieser Zeit sicher längst bekannt, warum dann nicht Kaffeebohnen überbrühen?

Der erste Kaffee in Europa



In Europa wurde Kaffee im 16. Jahrhundert bekannt. Einer der Ersten, der über den Kaffeestrauch und das daraus zubereitete Getränk berichtete, war der in Augsburg geborene Leonhard Rauwolf, der sich in späteren Jahren dem österreichischen Heer anschloss und letztlich während des Türkenkriegs der Ruhr, einer Durchfallerkrankung, erlag.
Zwischen seiner Jugendzeit in Augsburg und seinen Diensten im österreichischen Heer unternahm Rauwolf lange Reisen in den Orient. Von diesen Reisen brachte er umfangreiche Pflanzensammlungen mit. Zudem beschrieb er in Büchern die verschiedenen Gewächse. So auch den Kaffeestrauch und das Getränk Kaffee. In Linz wurden die Verdienste Leonhard Rauwolfs gewürdigt, indem eine Straße, die Rauwolfstrasse, nach ihm benannt wurde.

Mit Kaffee als echtem Getränk, und nicht nur als Beschreibung, kamen vermutlich als erste Europäer wiederum die Österreicher in Berührung. Es ist der ersten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1529 zu verdanken. Sicher genoss der Sultan Süleyman I. der Prächtige während verschiedener Verhandlungen Kaffee und bot diesen höchstwahrscheinlich den österreichischen Verhandlungsführern an.

Es sollte noch lange dauern, bis Kaffee dann tatsächlich Einzug in Europa hielt. Über den österreichischen Adel wie auch den Hof von Versailles gelangte Kaffee etwa ab dem 17. Jahrhundert verstärkt in die Adelshäuser Europas. Zu dieser Zeit war es in Adelskreisen chic, sich orientalisch zu kleiden und natürlich auch Kaffee zu genießen. So bürgerte sich der anfangs noch fast unbezahlbare Kaffee langsam auch im Bürgertum ein. Wie stark Frankreich dabei mithalf, zeigt sich daran, dass das älteste noch bestehende Kaffeehaus nicht in Wien, sondern in Paris steht. Das Café Procope, im Jahr 1689 erbaut, ist noch heute in Betrieb.

Kaffee heute, zwei Sorten an der Spitze



Etwa 40 der bisher entdeckten 124 Arten werden heute weltweit kultiviert, also gezüchtet und angebaut. Allerdings besitzen zwei davon eine so starke Dominanz, dass gut 96 % des weltweiten Kaffeeverbrauchs von diesen zwei Sorten abhängig ist.

Die Coffea arabica ist mit weitem Abstand Weltmarktführer. Gut 60 % des gesamten Kaffeehandels erfolgt mit der Arabica, die im gesamten Tropen- und Subtropengürtel der Erde angebaut wird. Die milde Arabica hat sich als Kaffeebohne für alle Gelegenheiten durchgesetzt.

Als zweite große Bohne ist die Coffea robusta anzusehen. Mit 36 % Weltmarktanteil jedoch auch schon weit weg von der Arabica. Die Robusta ist stärker als die Arabica und deshalb für viele Kaffeetrinker nicht so bekömmlich.

Die restlichen 4 % teilen sich die übrigen 38 Kaffeesorten.

Eine davon ist die Excelsa-Bohne, die immerhin 1 % des Welthandels mit Kaffee ausmacht.
Zu den bekannteren gehören etwa die Stenophylla, die wie die Excelsa in Afrika angebaut wird.
Ebenso in Afrika beheimatet ist die Liberica, die aber auch in Asien kultiviert wird.
Catimor wiederum ist eine aus der Timor- und Caturabohne gekreuzte Kaffeebohne. Catimor ist aber auch der Name einer Kaffeemischung in Asien, die überwiegend aus der Chari-Bohne und der Excelsa-Bohne hergestellt wird.
Aus der Arabica und der Liberace-Bohne entstand eine weitere Kreuzung, die Maragogype, deren Namen der Hafenstadt Maragogipe in Brasilien entstammt. Aufgrund ihrer enormen Größe wird die Maragogype auch Elefantenbohne genannt.

Der teuerste Kaffee der Welt



Nun noch zu einer Kaffeebohne, die Mengenmäßig im Kaffee-Welthandel keine Rolle spielt, wohl aber im Preis. Es handelt sich um die berühmt-berüchtigte Kaffeebohne Kopi Luwak, der teuerste Kaffee der Welt. Die auch als Coffee Alamid bekannte Bohne ist keine Züchtung oder Sorte im eigentlichen Sinne. Sie ist der unverdaute und leicht fermentierte Bestandteil der Ausscheidungen des Fleckenmusangs, einer Schleichkatze. Diese frisst auf ihren nächtlichen Streifzügen die Früchte verschiedener Kaffeesträucher und scheidet die relativ harten Samen, also die Kaffeebohnen, wieder aus. Ursprünglich sammelten die Einheimischen Angestellten der kolonialen Plantagen die Bohnen aus den Hinterlassenschaften der Schleichkatze, da der Plantagenkaffee ausschließlich in den Export ging oder von den Plantagenbesitzern getrunken wurde. Heute kostet echter gerösteter Kopi Luwak, inzwischen gibt es auch künstlichen Kopi Luwak, etwa 220 Euro pro Kilo.


Was macht guten Kaffee aus?



Der Geschmack des Kaffees ist unter anderem von dessen Herkunft und den Anbaubedingungen abhängig. Ähnlich wie bei einem Wein bestimmen Lage und Bodenbeschaffenheit zumindest teilweise den Geschmack. Natürlich sind auch die weiteren Zwischenschritte, wie das Rösten, von höchster Bedeutung.

Bezüglich der Lage sind sich Kaffee-Experten ziemlich einig. Der beste Kaffee entstammt den Hochlandlagen Südamerikas. Ideal sind Höhen zwischen 1000 und 1500 m über dem Meer. Diese Hochlagen verlängern die Reifezeit, sodass nur einmal pro Jahr geerntet wird. Im Tiefland findet oft dreimal pro Jahr eine Lese statt.

Zur Zubereitung in der Gastronomie kommen vorwiegend Kaffeemaschinen, Espressomaschinen, oder Kaffeevollautomaten zum Einsatz. Wer frisch gemahlenen Kaffee liebt, wird an einer Kaffeemühle seine Freude haben.

Noch etwas Statistik



Rund 3 Millionen Liter Kaffee werden in Österreich aufgebrüht, aber nicht etwa pro Jahr, sondern pro Tag. Das sind 2,9 Tassen am Tag für jeden Einwohner des Landes. Dieser Verbrauch wird nur noch von Mineralwasser übertroffen. In der europäischen Wertung bezüglich des Kaffeeverbrauchs liegt Österreich an zweiter Stelle (Stand 2014), gleich hinter Finnland. Deutschland befindet sich in dieser Rangliste erst an 7. Stelle.

Laut einer vergleichenden Studie, die Statistiken auswertet, soll Kaffee übrigens vor Alzheimer schützen. Dann ist zu hoffen, dass dieser Artikel in guter Erinnerung bleibt.
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