Barrierefreiheit im Tourismus


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10.08.2016 13:52
Rollstuhl
© Minerva Studio (Fotolia)
Bereits seit einigen Jahren ist Barrierefreiheit ein großes Thema in vielen Bereichen. Nach dem Grundsatz, dass Menschen mit einem Handicap nicht behindert sind, sondern vielmehr behindert werden, arbeiten viele Städte, Gemeinden und auch private Dienstleister daran, die Bedingungen für die Betroffenen zu normalisieren. Seit dem 1. Jänner 2016 gilt nun in ganz Österreich eine gesetzliche Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung für sämtliche Unternehmen. Darunter fallen neben den Waren und Informationen auch alle Dienstleistungen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Das gilt selbstverständlich auch für die Tourismusbranche. Hier hat sich in den letzten Jahren bereits auf freiwilliger Basis viel getan. So haben zahlreiche Hotels und Pensionen Menschen mit einer Behinderung als bisher vernachlässigte Kunden für sich entdeckt. Dennoch ist es für die Betroffenen nach wie vor oftmals schwierig und mit viel Aufwand verbunden, eine Reise zu planen. Das geht mit der Fahrt zum Urlaubsort bereits los. Als Rollstuhlfahrer muss man beispielsweise bei der Planung bereits darauf achten, ob die jeweiligen Bahnhöfe schon barrierefrei zugänglich sind. Auch bei der Auswahl des Hotels kann eine kleine Treppe bereits zu einem unüberwindbaren Hindernis werden. Kommt man bei den sportlichen Rollstuhlmodellen vielleicht noch mit der Hilfe des Personals zum Ziel, sind die Fahrer der bis zu 200kg schweren Elektrorollis ohne eine entsprechende Rampe meist aufgeschmissen. Der Zugang zu Hotels, Restaurants und ähnlichen Freizeitangeboten ist somit für viele Menschen bisher von der Umsicht der Dienstleister abhängig gewesen. Hier hat der Gesetzgeber nun klare Verhältnisse zugunsten der Menschen mit einer Behinderung geschaffen.

Hotel Treppenlift
© Photographee.eu (Fotolia)

Was bedeutet das neue Gesetz für die Gastronomen?



Das neue österreichische Bundesbehindertengleichstellungsgesetz (BGStG) betrifft grundsätzlich alle öffentlich zugänglichen Gebäude in denen Dienstleistungen oder Waren angeboten werden. Menschen mit einem Handicap soll, ganz unabhängig von der jeweiligen Behinderung, der barrierefreie Zugang gewährleistet werden. Damit ist jeder Betrieb aus der Tourismus- und Gastronomie-Branche aufgefordert, für Barrierefreiheit zu sorgen.

Dass kein Gast unmittelbar diskriminiert werden darf, ist selbstverständlich und wird ohnehin durch die Gastlichkeit geboten. Komplizierter dürfte die Umsetzung des neuen Gesetzes hingegen bei der mittelbaren, beispielsweise der baulichen Beeinträchtigung von Personen werden. Für moderne Hotelbetriebe mag auch dies kein Problem darstellen, aber was ist mit Traditionshäusern, deren Bausubstanz aus einer Zeit stammt, in der die Rechte von Menschen mit einer Behinderung noch weitgehend ignoriert wurden?

Hier verlangt das neue Gesetz keineswegs Unmögliches. Vielmehr soll die Barrierefreiheit im Bereich des Möglichen und Zumutbaren verwirklicht werden. Ob das im konkreten Fall erfolgt ist, wird im Rahmen einer Zumutbarkeitsprüfung ermittelt. Bei der Prüfung wird festgestellt, ob sämtliche zumutbare Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Das kann bedeuten, dass gerade bei älteren Gebäuden eine vollständige Barrierefreiheit nicht verlangt wird, da die erforderlichen Umbaumaßnahmen zu umfangreich und damit unzumutbar für den Betreiber wären. Gleichzeitig müsste der betroffene Gastronom aber alle ihm zumutbaren Möglichkeiten ausschöpfen, um möglichst vielen Menschen einen barrierefreien Zugang zu seinem Betrieb zu ermöglichen.

Als Konsequenz aus der Missachtung der Vorschriften des BGStG können zivilrechtliche Schadenersatzforderungen von betroffenen Menschen mit Behinderung an den jeweiligen Gastronomen erfolgen. Eine generelle Prüfung sämtlicher Betriebe durch staatliche Stellen ist dagegen nicht vorgesehen. Zur Zeit erfolgt in Streitfällen, in denen sich Menschen mit einer Behinderung unzumutbar diskriminiert fühlten, zunächst ein Schlichtungsverfahren vor dem Bundessozialamt. Wird dort innerhalb von drei Monaten keine Einigung zwischen den Betroffenen erzielt, kommt der Streit vor ein ordentliches Gericht.

Ab wann ist mein Gastro-Betrieb barrierefrei?



Damit Ihr Geschäftslokal barrierefrei ist, müssen sämtliche öffentlich zugängliche Räume entsprechend gestaltet sein. Beschäftigen Sie Menschen mit einer Beeinträchtigung erstreckt sich das natürlich auch auf die Arbeitsbereiche.
Dabei werden sämtliche körperliche und geistige Beeinträchtigungen, die dauerhaft sind, berücksichtigt. Für Betroffene müssen die Räumlichkeiten möglichst ohne fremde Hilfe und ohne besondere Erschwernisse zugänglich sein. Viele lokale Wirtschaftsverbände und Kammern bieten inzwischen spezielle Beratungen für Gastronomen an, wie sie ihre Räumlichkeiten dementsprechend gestalten können.

Barrierefreiheit als Chance



Mit entsprechenden Maßnahmen können Sie Ihren Betrieb den gesetzlichen Anforderungen entsprechend gestalten. Darüber hinaus bieten Ihnen spezielle Angebote für Menschen mit einer Beeinträchtigung auch betriebswirtschaftliche Chancen. Gerade für Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen sind die Angebote im Tourismus-Bereich noch viel zu selten. Entsprechende Umbaumaßnahmen werden bei den meisten Anbietern von Ferienzimmern auch häufig nicht im Bereich des gesetzlich Zumutbaren liegen. Hier bietet sich für Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen ein Markt mit großen Wachstumschancen.

Die Bedürfnisse der Urlauber sind dabei sehr individuell und je nach Art der Beeinträchtigung natürlich unterschiedlich. Hier lohnt es sich entweder, spezielle Kundengruppen anzusprechen oder die Ferienzimmer so einzurichten, dass sie für möglichst viele Menschen die passenden Lösungen bieten. Für Gäste im Rollstuhl eignen sich beispielsweise breitere Türen und speziell eingerichtete Küchen, die auch im Sitzen problemlos bedient werden können. Auch im Badezimmer sowie bei den Schlafräumen sorgen Platz und spezielle Griffe oder Liftermöglichkeiten für einen unkomplizierten Urlaub. Bedenken Sie bei der Einrichtung der Gästezimmer auch eventuelle Begleitpersonen, für die separate Schlafmöglichkeiten in Hörweite bereitstehen müssen.

Natürlich ist es bei speziellen Angeboten nicht mit einem barrierefreien Zimmer allein getan. Barrierefreie Zugänge zu touristischen Sehenswürdigkeiten sowie eine günstige Verkehrsanbindung des Ferienortes gehören in dem Fall ebenso zu einem gelungenen Urlaub.

So können Sie mit einmaligen Investitionen nicht nur den gesetzlichen Anforderungen genügen, sondern neue Kunden gewinnen und Menschen mit einer Beeinträchtigung zu unvergesslich schönen Ferienerlebnissen verhelfen. Eine klassische Win-Win-Situation.
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